13th Jan2013

Kilometerzähler reparieren

by Sternenkreuzer

Wenn der Kilometerzähler stehengeblieben ist, muss man für seinen Mercedes der Baureihe 201 nicht unbedingt einen neuen Tacho kaufen.  Das gilt wohl auch für 123er und 124er. Oftmals handelt es sich um einen bekannten Fehler, der sich mit etwas Mut, einer ruhigen Hand und einem Wattestäbchen reparieren lässt.

Eine typische Schwachstelle einiger alter Mercedes-Modelle ist der Kilometerzähler des Tachos. Früher oder später bleibt er gerne einfach stehen oder dreht nur noch ab und zu mit. Bei mir war das der Fall. Zum Glück gibt’s im Internet eine Reihe guter Anleitungen und Hilfestellung für die selbst durchgeführte Reparatur.

Die Ursache: Oftmals löst sich nach einiger Zeit ein Zahnrad von der Welle, die wiederum von der Tachowelle angetrieben wird. Die Welle dreht sich also weiter, nur das Zahnrad kommt nicht mit. Dies ist einer der häufigsten Fehler, wenn der Zähler stehenbleibt. So auch bei mir. Der Kilometerzähler stand bei 113711.

Ausbau Tacho

Für die Reparatur des Kilometerzählers muss natürlich der Tacho ausgebaut werden. Dieser sitzt dank je zwei Klammern oben und unten ziemlich fest im Gehäuse.
Auf jeden Fall muss man von unten ran – Abdeckung abschrauben, Stabilisierungsleiste an der Lenksäule entfernen, schwarzen Belüftungsschlauch herausfriemeln und die Tachowelle suchen. Sobald gefunden, vorsichtig an der Tachorückseite abschrauben.
Wenn das geschafft ist, kann der Tacho eigentlich raus. Abziehhaken oder -bügel hatte ich nicht und meine selbstgebauten Helfer aus einem Draht-Kleiderbügel haben mir mehr das Tacho-Gehäuse zerkratzt anstatt zu helfen. Bei mir hat es letztendlich mit Geduld und drücken von hinten geklappt. Irgendwann wackelt er und später lässt er sich immer besser greifen und dann ist er bald draussen. Sobald man an die Kabel dahinter kommt, diese von rechts nach links entfernen. Am besten mitzählen und die Anzahl merken, bevor beim Anschluss ein Kabel vergessen wird.
Der Tacho lässt sich am Ende gut am Lenkrad vorbei herausnehmen.

Vorstoss zum Kilometerzähler und Fehlerfindung

Hat man den Tacho vor sich, lassen sich hinten ein paar Schrauben entfernen und die Anzeigeinstrumente herausnehmen. Gehe hier nicht so sehr ins Detail, Schrauben sieht man ja.
Bevor weiter demontiert wird, erst prüfen, was der Fehler ist.
An der Welle, auf der die Zahlen des Kilometerstandes liegen, ist auf jeder Seite ein Zahnrad. Das kleinere ist grün, das grössere aus Alu. Das kleinere sollte sich nicht bewegen bzw. drehen lassen. Das grössere Alurad eigentlich auch nicht, aber wenn doch: hier ist der Fehler. Wenn man das Alurädchen dreht, zählt das Zählwerk. Und wenn sich die Welle dreht, dreht das Alurädchen nicht mit. (Falls das nicht der Fehler ist, hier nicht mehr weiterlesen.)

ausgebauter Kilometerzähler W201

Leider muss der Geschwindigkeitsanzeiger weiter demontiert werden. Zumindest die Tachonadel musste ich entfernen und das schwarze Blech mit der Skala abschrauben. Beim Entfernen der Tachonadel haben mir zwei Teelöffel geholfen und ein Tuch, damit nichts zerkratzt. Je ein Löffel von rechts und links, dann sollte die Nadel irgendwann abspringen. Damit die Feder hinter der Tachoscheibe nicht beschädigt wird, sollte die Nadel über den Auflagestift gehoben werden. Sie sollte dann bis zur Markierung zurückgehen. Hier wird sie hinterher auch wieder aufgesetzt. Falls keine Markierung vorhanden ist, eine machen.

Rauskloppen der Welle

Die Idee: Irgendwie muss das Zahnrad wieder fester auf der Welle sitzen, jedenfalls so fest, dass es freiwillig und folgsam mitdreht. Dafür muss die Welle bearbeitet werden, sie muss also raus. Mit einem Hämmerchen lässt sich die Welle vorsichtig herausschlagen – aber Achtung: es muss sofort ein äquivalentes Röhrchen, Stäbchen, oder was auch immer nachgeschoben werden, damit die Zahlen auf der Welle nicht herausfallen. Bei mir hat diese Aufgabe ein um Watte gestripptes Wattestäbchen übernommen.

Ausbau der Welle im Kilometerzähler Mercedes 190 W201

Wenn man die Welle draussen hat, muss man die Stelle finden wo das Alurädchen draufsitzt. Diese Stelle mit einer Zange leicht “aufrauen”, damit das Rädchen wieder greift. Ich hab dabei zugegebenermassen etwas übertrieben. Die Welle liess sich dann nicht mehr ganz reinschieben. Also musste ich mit dem Schleifpapier ran und die zu starke Demolierung abmildern. Nach mehreren Versuchen ging irgendwann die Welle mit leichter Gewalt wieder rein. Hier kann man nur noch leicht testen, ob das Alurad noch frei dreht. Sitzt es fest und wackelt nur minimal mit dem Rädchen auf der anderen Seite (das man übrigens auch noch draufstecken muss) mit.

bearbeitete Welle, auf der die Zahlen des Kilometerzählers sitzen

Ansonsten wäre die Reparatur fertig und alles kann wieder zusammengeschraubt und eingebaut werden.

Der Zähler hat mittlerweile treu 1500 gefahrene Kilometer hinzu addiert.

Anleitungen im Internet

Einige mir hilfreiche Hilfestellungen konnte ich im Netz finden, ich liste gerne auf:

http://www.motor-talk.de/forum/fix-fuer-stehengebliebenen-kilometerzaehler-t3468497.html (Sehr gute Anleitung als PDF.)

http://www.sternfreun.de/files/w124-230ce/tachoreparatur.html (Anleitung zwar für den W124, hat mir aber trotzdem geholfen.)

http://www.infotronic.de/thomas_mercedes/ (Reparatur Kilometerzähler des W123, hat jedoch auch allgemeine Tips dabei.)

 

2 Responses to “Kilometerzähler reparieren”

  • Heinzelmann

    Danke für den schönen Aufschrieb. Habe mithilfe der Anleitung meinen 124er Kilometerzähler wieder flott gemacht.

  • Hieke

    Reparatur von sich selbst ausdrehender Welle.
    Bei manchen sitzt der Schneckenantrieb lose auf der Welle. Dieser kann mit Sekundenkleber wieder fixiert werden.
    Bei mir zieht der Schneckenantrieb immer wieder die ganze Welle aus dem rechten Sitz und hängt runter und zählt nicht mehr.
    Abhilfe:
    Welle wieder einstecken.
    Auf die dem Schneckenantrieb gegenüberliegende Seite habe ich einen
    Mini-Neodymmagneten 5x5x5 Würfel reingelegt. z.B. von Magna-C, war ein Werbegeschenk.
    Dieser wird von der Welle angezogen und die Magnetkraft ist so stark das die Welle an ihrem Platz gehalten wird. Da nur die Spitze der Welle auf dem Magnet liegt, dreht sich diese auch ohne Probleme. Erfolg bei mir Dauerhaft

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