20th May2015

Eine Reise durch den Balkan

by Sternenkreuzer

Es heisst, in Albanien seien 70% der Fahrzeuge auf den Strassen Mercedes-Fahrzeuge. Das stimmt nicht ganz.

Bei der Teilnahme an der Dart 4000-Rallye durch den Balkan konnten wir einige der verschiedenen Länder besuchen und einen Eindruck von den Ländern bekommen. Eins vorweg: Es war sensationell! Das beste Auto für diese Reise ist natürlich ein Mercedes.

Bevor ich zu einigen mitgebrachten Bildern – vor allem aus Albanien – komme, zuerst noch ein Überblick über unsere Route.


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(Hinweis: Es ist bekannt, dass die Route hier leider nicht immer ganz korrekt angezeigt wird.)

Wir hatten 10 Tage Zeit um insgesamt 4800 km zu fahren. Hier eine Übersicht der Tagesetappen.
Etappe 1: Pfäffikon SZ – Koper
Etappe 2: Koper – Split
Etappe 3: Split – Kotor
Etappe 4: Kotor – Shkoder – Durres
Etappe 5: Durres – Sarande
Etappe 6: Sarande – Vikos-Schlucht – Meteora-Klöster – Kastoria
Etappe 7: Kastoria – Skopje – Nis
Etappe 8: Nis – Novi Sad
Etappe 9: Novi Sad – Villach
Etappe 10: Villach – Heimat

So sah unsere tatsächliche Route aus, per GPS-Logger aufgenommen.

Dart 4000 Rallye Route

Vor dem Start Anfang April erhielt unser Mercedes 190E eine entsprechende dezente Rallye-Optik.

Was auf unserer Reise als erstes überrascht hat war die Fortschrittlichtkeit Sloweniens: Beleuchtete Fussgängerstreifen, Ampel-Countdowns und “streng geführte” Doppelspur-Kreisverkehre kenne ich aus dem deutschsprachigen Raum in dieser Art nicht. Leider war die Maut Sloweniens mit die teuerste: 30 Euro für einen Monat mussten es sein, da wir sonst zwei mal die 7-Tages-Vignette für 15 Euro hätten kaufen müssen.

In Kroatien haben wir Split und Dubrovnik besucht – da lohnt sich auf jeden Fall ein Besuch. Sehr schöne Städte. Neu für uns: die unglaublich hohe Anzahl an Katzen. In Slit sahen wir sie im Pizzaladen und auf Müllsäcken, in Dubrovnik scheinen sie einerseites gefüttert zu werden, zum anderen werden sie aber nicht von jedem gemocht.

Im Nationalpark Plitvicer Seen waren wir nur sehr kurz und konnten einen schnellen Eindruck einiger Wasserfälle gewinnen. Ein schönes Naturschauspiel! Leider war das Wetter nicht so, wie man es sich für einen grossen Roadtrip gewünscht hätte. Daher haben wir rasch das nächste Restaurant gesucht, wo uns unter anderem leckere Cevapcici serviert wurden.

In Split ist vor allem der Dioklethianpalast sowie die direkt daneben befindliche Flaniermeile Riva zu erwähnen. Fast ein bisschen schwierig wird’s, wenn man etwas anderes als Fisch essen möchte – Fisch wird überall zubereitet. Auf der Suche nach unserer Übernachtungsstätte hat uns ein kroatischer 190er-Fahrer versucht, unseren fahrerseitigen Spiegel abzufahren – glücklicherweise ist da eine Feder drin und der Spiegel stand nach dem lauten Treffer wieder in Ursprungsposition. Spiegel-High-Five!

Nach der Abreise aus Split besuchten wir gegen Mittag die Hafenstadt Dubrovnik. Ebenfalls an diesem Tag: Schnee! Beim Eintritt in Montenegro erlebten wir den sympathischsten Grenzübergang von allen. Der Beamte freute sich an unseren Autos und fragte nach Team-Namen, um uns die Position laut Homepage-Ranking mitzuteilen.

Kotor war sehr nett, der Besuch eines Restaurants mit 15 Leuten blieb in guter Erinnerung.

In Albanien angekommen überraschte uns der viele Müll: überall, auch an Flussufern, Strassenrändern und Hügeln wird der Müll entsorgt. Leute, die am Strassenrand warten, wenig Perspektive. Öffentliche Verkehrsmittel scheinbar nicht vorhanden, ebensowenig Ampeln. Der Besuch in einem Kinderheim von Shkoder war sehr interessant und liess uns schätzen, was wir zu Hause haben. Anschliessend der Besuch der “Zvicra Bar”, die Bar eines Schweizers. Wir konnten uns an einem feinen Apero stärken. Dass die Strasse südlich von Berat nicht befahrbar ist, können wir mittlerweile auch bestätigen. Nach der Stärkung ging es Richtung Durres.
Von Dort besuchten wir auf dem Weg nach Sarande Berat, die Stadt der 1000 Fenster. Den zweiten Titel trägt die 4000 Jahre alte Stadt aufgrund ihrer grossen, weissen Fensterfront.
Da wir es nicht lassen konnten, schlugen wir doch die Strasse südlich von Berat ein. Für das Navi kein Problem, aber was uns dann tatsächlich unter die Räder kam, war irgendwann dann doch keine Strasse mehr. Zwei bis drei Stunden kraxelten wir auf einem Bergpfad, übersät mit Schlaglöchern, herum. Irgendwann erreichten wir ein Haus und hielten kurz an – darauf hin kam auch schon ein Einheimischer auf uns zu. Auf französisch konnten wir uns verständigen und er empfahl uns, umzukehren.

Das haben wir erst mal nicht gemacht, sondern sind noch ein paar wenige hundert Meter weiter gefahren, um dann erneut zum Umkehren bewegt zu werden. Weil es teilweise schon etwas rutschig wurde und der zu befahrende Untergrund eher einem Trampelpfad glich, haben wir dann wirklich umgekehrt. Auf dem Rückweg nahmen wir den ersten Einheimischen und seinen Kollegen mit nach Berat runter. Diese Bergtour hat uns die Kat-Abdeckung gekostet – und ausser einem starken Quietschen der Lenkung sind wir aber sonst

heil wieder runtergekommen.

In Sarande besuchten wir die Karstquelle “Blaues Auge” – eine Quelle, aus der sauberes, klares Wasser nach oben steigt. Sehr schön!
Kurze Zeit später erreichten wir schon die griechische Grenze. Hier haben wir im Vergleich zu allen anderen Grenzübergängen die meiste Zeit verbracht. Längere Schlangen und ebenso längere Wartezeiten. Auf der griechischen Seite fiel eines sofort auf: die guten Strassen. Die Fahrt war super, hatte nur eine negative Sache: unser Mercedes schien auf der Autobahn nicht richtig atmen zu können. Stottern im fünften und vierten Gang, also im dritten und 80km/h gefahren. (Vielleicht Falschluft?) Bei tieferen Lagen traten die Probleme nicht mehr auf und wir erreichten die Vikos-Schlucht. Diese ist insofern beeindruckend, weil sie mit ihrem Verhältnis von Tiefe zu Breite im Guiness Buch der Rekorde steht.
Nach einem Mittagessen ging es weiter zu den Meteora-Klöstern. Die Meteora-Klöster lohnen sich zu besichtigen. Es handelt sich dabei um Klöster, die auf riesigen Felsen errichtet wurden. Mittlerweile kann man einige mit dem Auto erreichen – aber früher gab es diese Strassen natürlich noch nicht und man tätigte Besuche mit einer Leiter oder einem Lift. Bei unserer Ankunft waren die Klöster bereits geschlossen, sodass wir das Gebäude von innen nicht mehr sehen konnten. Eindrucksvoll war es aber allemal.

Die Fahrt ging anschliessend weiter nach Kastoria, wo wir übernachtet haben. Kastoria ist ein kleines Städtchen am Kastoria-See und war früher bekannt für ihren Pelzhandel und Pelzverarbeitung.
Das war auch schon unser Besuch in Griechenland, am nächsten Tag ging es nach Mazedonien. Skopje lag auf unserer Route, der Tag endete in Nis. Dort hatten wir eine sensationell günstige Unterkunft (22 Euro) sowie einen sicheren, abgeschlossenen Parkplatz.
Die vorletzte Übernachtung tätigten wir in Novi Sad, wo sicher die Festung Petrovaradin als sehenswürdiges Highlight gilt.

 

 

Zvicra-Bar

Die Zvicra-Bar eines ausgewanderten Schweizers haben wir in Shkoder besucht – super!

Ziegen

Solch eine Herde Ziegen und Schafe kann einem überall im Balkan, vor allem in Albanien begegnen. Kleinere Gruppen von Kühen sind ebenfalls keine Seltenheit.

Wetter

Leider sind wir die halbe Reise über mit dem schlechten Wetter gefahren. Teilweise karge Landschaften auf dem Weg nach Griechenland.

Waldstrassen

Sehr abwechslungsreiche Strassen, hier: kurvige Waldstrasse mit etwas übrig gebliebenem Schnee garniert. Lecker!

W123

Dieser W123 in schöner Farbe wurde von einem älteren Paar gelenkt. Er ist noch in weit besserer optischer Verfassung als die meisten Mercedes etwas nördlicher in Albanien waren.

W123 moosgrün

Einer der vielen W123, dieses mal in moosgrün. Auch die neueren Mercedes aus den 80ern hatten oftmals entsprechende Farben. Der W201 war öfter als Vormopf zu sehen. Dennoch machen Mercedes natürlich keine 70% des albanischen Fahrzeugbestandes aus – wenn auch der Anteil relativ hoch ist.

Von Porsche verfolgt

Porsche 924 nimmt die Verfolgung auf – bergige Strassen in Südosteuropa.

Vikos-Schlucht

Die Vikos-Schlucht im Norden Griechenlands steht im Guiness Buch der Rekorde. Das Verhältnis zwischen Höhe und Breite ist ein Rekord und einfach beeindruckend zu sehen.

Ura e Mesit

Ura e Mesit, eine alte Brücke bei Shkoder, Albanien.

Taxi

Eine Aufgabe während der Rallye war es, sein Gefährt als Checker Cab zu verkleiden. Wenn das mal nicht gelungen ist?

Super bleifrei

Super bleifrei – neben deutschen Tanksäulen fanden sich in Albanien auch häufig LKW mit deutscher Beschriftung. Shitet ist kein Schimpfwort, sondern heisst: zu verkaufen.

Sonnenuntergang unterwegs

Sonnenuntergang unterwegs – auf die Stimmung kommt’s an!

Sonnenuntergang in Albanien

Sonnenuntergang in Albanien, irgendwo auf dem Weg von Durres nach Sarande. Das erste mal schönes Wetter!

Pferdefuhrwerk

Eines von vielen Pferdefuhrwerken.

Meteora-Klöster

Sehr beeindrucken: Die Meteora-Klöster in Griechenland. Hier wurden Klöster auf sehr steil stehende “Berge” gebaut.

Mercedes bei Meteora-Kloster

Mercedes bei Meteora-Kloster. Einige der Klöster kann man besuchen und heutzutage sogar gemütlich mit dem Auto erreichen.

LKW-Panne

Bei vielen Schlaglöchern und kaputten bzw. vor lauter Löcher fast nicht mehr auffindbarer Strassen werden Fahrzeuge besonders stark belastet.

Hund im Nebel

Strassenhunde gibt es sehr viele – und sie scheuen sich nicht, mitten auf der Strasse zu stehen oder langsam über die Strasse zu trotten. Leider sieht man an Schnellstrassen auch dementsprechend viele leblose Hunde. Hier grüsst uns einer im Nebel.

Guter Stern

Ihr guter Stern auf allen Wegen – über die Qualität und den Komfort eines Mercedes-Fahrzeugs liess sich nichts schlechtes sagen. Selbst an die bereits durchgesessenen Vormopf-Sitze haben wir uns gewöhnt.

Grosses Schiff in Koper

Grosses Schiff in Koper, Slowenien. Da war der Benz noch fast sauber.

Fussballplatz

Ein Fussballplatz aus Matsch. Gefunden auf dem Weg von Berat südlich nach Durres – nicht die befahrbare Umfahrung, sondern über den unwegsamen Bergpfad. Spielt hier noch jemand? Schliesslich war kaum ein Häuschen in der Nähe.

Bergstrassen bei Nebel

Bergstrassen bei Nebel, südlich von Berat, Albanien.

Bergfahrt

Macht doch einen guten Eindruck, diese Bergstrasse? Es blieb nicht so. Ein Versuch von Berat südlich über die Berge nach Durres zu fahren war gescheitert. Aber wir wollten’s ja selbst wissen. Immerhin auf dem Rückweg für zwei Albaner Taxi gespielt. Kosten: ab und zu mal zu fest aufgesetzt, die Kat-Abdeckung abgeraffelt. Das Quietschen der Lenkung hört sich auch nicht mehr gesund an. Sind aber wohlbehalten wieder nach Hause gekommen. 🙂

Berat

Berat – die Stadt der tausend Fenster. Im Hintergrund die namensgebende Sehenswürdigkeit.

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